Leben im Jahresverlauf
Rebhühner durchlaufen im Jahresverlauf mehrere Lebensphasen mit unterschiedlichen Habitatansprüchen.
Die Populationsentwicklung hängt stark von der Reproduktion im Sommer ab. Verluste durch Prädation, Nahrungsmangel und Störungen können die Bestände erheblich beeinflussen.
Der Bruterfolg und damit die Populationsentwicklung hängen nicht nur von Lebensraumqualität und Prädationsdruck ab, sondern auch stark von den Wetterbedingungen. Kalte, nasse Frühjahre und Sommer verringern die Überlebenschancen der Küken erheblich und können ganze Jahrgänge kosten.
Winter – Überleben in der Kette
In den Wintermonaten leben Rebhühner in sogenannten „Ketten“ – das sind kleine Gruppen aus einem Elternpaar mit den Jungvögeln des letzten Sommers oder aus unverpaarten Individuen, die sich zusammengeschlossen haben. Diese Sozialstruktur hilft den Tieren, in der kalten Jahreszeit Energie zu sparen und sich gegenseitig vor Feinden zu warnen.
Die Nahrungsgrundlage besteht überwiegend aus pflanzlicher Kost – vor allem Sämereien, Blätter von Raps und Wintergetreide sind wichtig. Im Winter ist die Sterblichkeit in vielen Gebieten niedriger als zur Brutzeit. Problematisch wird es bei geschlossener Schneedecke: Rebhühner sind dann für Beutegreifer leichter sichtbar. Hecken und andere deckungsreiche Strukturen bieten dann den einzigen wirksamen Schutz.
Spätwinter – Balz und Partnerwahl
Ab Ende Februar beginnt die Balzzeit. Die Gruppen lösen sich auf, und die Hennen wählen ihre künftigen Partner – stets außerhalb der eigenen Verwandtschaft. Weil Hähne in der Überzahl sind, kommt es zu Rivalitätskämpfen. Auffällige Rufe („Kiereck“) und Balzgesten dienen der Kontaktaufnahme und Konkurrenz.
Bei der Balz präsentiert sich der Hahn mit geöffnetem Schnabel und aufgerichtetem Körper. Sein leiser Ruf („Gru“) ist nur an die Henne gerichtet. Diese beobachtet aufmerksam, wie sich die Hähne verhalten und entscheidet sich schließlich für einen Partner. Um das Risiko durch Fressfeinde zu verringern, verlagern Rebhühner diese Aktivitäten in die Dämmerung – dann ist das Risiko von Greifvögeln oder Füchsen gefressen zu werden geringer.
Die Paarbildung ist meist innerhalb weniger Wochen abgeschlossen. Die eigentliche Paarung findet erst zur Eiablage im Mai statt.
Frühling – Reviersuche und Vorbereitung auf die Brut
Im März und April suchen die Paare ein geeignetes Brutrevier. Meist wandern sie ein bis drei Kilometer vom Winterlebensraum ab. Besonders wichtig für die Standortwahl ist ausreichende Deckung durch alte Vegetation. Auch das Nahrungsangebot – insbesondere Insekten – scheint eine Rolle zu spielen, da der Anteil tierischer Nahrung bei der Henne zur Eiablage deutlich steigt.
Sommer – Brut und Aufzucht
Ab Mai beginnt die Eiablage. Die Henne legt durchschnittlich 16 bis 17 Eier, was sich über mehrere Wochen hinziehen kann. Erst nach dem letzten Ei beginnt die eigentliche Brut, die etwa 24 bis 25 Tage dauert. Der Hahn beteiligt sich nicht direkt an der Brut, bleibt aber in der Nähe und verteidigt das Revier. Bei Störungen versucht er, Feinde vom Nest wegzulocken.
Die Brutzeit ist für die Henne die gefährlichste Phase im Jahr. Füchse, Krähen und andere Beutegreifer stellen eine große Bedrohung für die Eier und die Henne dar. Wenn alles gut verläuft, schlüpfen die Küken nahezu gleichzeitig – meist Anfang Juli. Bereits im Ei stimmen sich die Küken mit leisen Lauten aufeinander ab. Nach dem Schlupf übernimmt der Hahn wieder eine aktive Rolle in der Familiengruppe.
Die Küken sind auf tierisches Eiweiß angewiesen und ernähren sich fast ausschließlich von Insekten, insbesondere aus Ameisennestern. Schon nach zwei Wochen können sie kurze Strecken fliegen, und mit etwa sechs Wochen sind sie voll flugfähig.
Herbst – Der Übergang ins Erwachsenenalter
Im September und Oktober wechseln die Jungvögel ihr Gefieder und sind ab November kaum noch von den Altvögeln zu unterscheiden. Die Ketten formiert sich neu – der Jahreskreislauf beginnt von vorn.