Rebhuhnmeldungen
Jedes Jahr werden vom Arbeitskreis Monitoring und aus der Bevölkerung zwischen 200 und 300 Beobachtungen von Rebhühnern im Projektgebiet über www.ornitho.de gemeldet. Diese Meldungen sind für uns eine wichtige Grundlage, um die Entwicklung des Rebhuhnbestands im Schefflenztal besser einschätzen zu können.
Und die aktuelle Entwicklung macht Hoffnung: Im Frühjahr 2026 geht es unseren Rebhühnern erfreulich gut. Die Tiere sind offenbar gut über den Winter gekommen, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass wir in diesem Jahr einen Höchststand an gemeldeten Beobachtungen erreichen werden.

Entwicklung des Rebhuhnbestands und Bruterfolg
Der Rebhuhnbestand im Schefflenztal wird von uns ganzjährig erfasst und dokumentiert. Dabei beobachten unsere Aktiven sowohl die Balzaktivität im Februar und März als auch die Entwicklung der Familienverbände („Ketten“) im Sommer und Herbst.
Die nachfolgende Übersicht fasst die wichtigsten Monitoringdaten der letzten Jahre zusammen und zeigt, wie unterschiedlich sich Wetter und Brutbedingungen auf den Bestand auswirken können und dass es uns gelingt, den Rebhuhnbestand zu erhöhen.
Entscheidend für den Fortbestand und die Entwicklung einer Rebhuhnpopulation ist vor allem der Bruterfolg. Also die Frage, wie viele Küken ein Rebhuhnpaar erfolgreich großziehen kann und wie viele Paare überhaupt erfolgreich brüten.
Die bundesweite Auswertung zum Bruterfolg 2025 des DDA liegen inzwischen vor. Nach dieser Auswertung liegt der durchschnittliche Wert bei 5,8 Jungtieren pro Paar und damit leicht über dem langjährigen Mittel von 5,7 Jungtieren pro Paar.
Auch wir haben den Bruterfolg im Schefflenztal in Anlehnung an die Methodik des DDA ausgewertet. Mit 8,2 Jungtieren pro Paar liegen wir deutlich über dem Durchschnittswert des DDA. Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis und ein starkes Zeichen dafür, dass unsere Maßnahmen Wirkung zeigen.
Warum ist ein Wert von acht Jungtieren pro Paar so bedeutend? Rebhühner haben jedes Jahr hohe Verluste zu verkraften – etwa durch Witterung, Fressfeinde oder Verluste von Gelegen und Küken. Unter natürlichen Bedingungen muss man mit jährlichen Verlusten von etwa 40 bis 60 Prozent rechnen.
Das bedeutet: Liegt der Bruterfolg langfristig unter etwa sechs Jungtieren pro Paar, schrumpft der Bestand. Erst bei Werten von deutlich über sieben Jungtieren pro Paar kann sich eine Population dauerhaft stabilisieren und weiter wachsen.
Umso mehr freut uns das Ergebnis von 2025 – und es motiviert uns, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.
Landwirtschaftliche Maßnahmen
Im Projektgebiet werden rund 67 km² Agrarfläche von etwa 100 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet. Bereits 30 dieser Betriebe engagieren sich aktiv über den Vertragsnaturschutz für das Rebhuhn. Weitere Landwirte leisten mit Stilllegungsflächen und extensiv genutztem Grünland - vorwiegend Mähwiesen und Weiden - einen wichtigen Beitrag zur Schaffung wertvoller Lebensräume.
- Blühbrachen: 226 ha (3,4 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Projektgebiet)
- Extensiv genutzte Äcker: 19 ha (0,3 %)
- Stilllegungsflächen: 143 ha (2,1 %)
- Extensiv genutztes Grünland: 162 ha (2,4 %)
Insgesamt kommen damit rund 548 Hektar – also 8,2 % der landwirtschaftlichen Fläche – dem Rebhuhnschutz besonders zugute.

So entsteht im gesamten Projektgebiet ein dichtes Netz aus über 700 einzelnen „Rebhuhnflächen“, das die Landschaft vielfältiger macht und dem Rebhuhn sowie vielen weiteren Arten Nahrung, Deckung und Rückzugsräume bietet.
Heckenpflege
Die Hecken im Projektgebiet sind bislang noch nicht vollständig erfasst. Für zwei Kommunen liegen ältere Daten aus der landesweiten Biotopkartierung vor, in weiteren Bereichen haben wir die Hecken selbst aufgenommen und dokumentiert.
Schon heute ist jedoch klar: Im Projektgebiet gibt weit über 400 Hecken mit einer Gesamtlänge von mindestens 60 Kilometern. Die meisten davon befinden sich in einem schlechten Pflegezustand. Viele Hecken sind überaltert und durchgewachsen, andere wurden aus Gründen der Verkehrssicherheit zwar zurückgeschnitten – allerdings meist nicht in einer Form, die den Ansprüchen des Rebhuhns gerecht wird.
Mit Unterstützung der kommunalen Bauhöfe, engagierter Jäger, aktiver NABU-Mitglieder sowie durch öffentliche Fördermittel konnten bislang 55 Heckenabschnitte so gepflegt werden, dass sie Rebhühnern und anderem Niederwild wieder einen geeigneten Rückzugsraum bieten.

Die rebhuhngerechte Pflege der Hecken bleibt daher eine wichtige Daueraufgabe. Da öffentliche Fördergelder künftig nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen werden, möchten wir zukünftig die Zusammenarbeit mit den Bauhöfen noch weiter ausbauen und verstärkt auf gemeinsame Pflegeaktionen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Jägern und Ehrenamtlichen setzen.
Vollständig abgeschlossen sein wird diese Aufgabe vermutlich nie – denn Heckenpflege bedeutet dauerhafte Landschaftspflege aber auch langfristiges Engagement für die Artenvielfalt.
Prädatorenmanagement – ein wichtiger Baustein im Rebhuhnschutz
Unser Projektgebiet umfasst 29 Jagdreviere. Wie in der Landwirtschaft setzen auch die Jagdpächter unterschiedliche Schwerpunkte: Während sich einige intensiv für das Rebhuhn und das Niederwild engagieren, ist das Engagement in anderen Revieren geringer. Insgesamt ist jedoch ein wachsendes Interesse am Rebhuhnschutz zu beobachten – nicht zuletzt dank der engagierten Unterstützung der Kreisjägerschaft Mosbach.
Die Bejagung erfolgt selbstverständlich ausschließlich im Rahmen der geltenden gesetzlichen Vorgaben. Sie findet als Pirsch- und Ansitzjagd statt, ebenso im Rahmen gemeinsamer Bewegungsjagden – etwa während der sogenannten „Rebhuhnwochen“ – sowie mit Fallen.
Die Bedeutung des Prädatorenmanagements zeigt sich deutlich in den erfassten Zahlen: In den 29 Jagdrevieren mit einer Gesamtfläche von rund 150 km² werden jährlich etwa 500 Prädatoren entnommen. Den größten Anteil machen Füchse mit rund 74 % aus, gefolgt von Dachsen (15 %), Mardern (8 %) und zunehmend auch Waschbären (3 %).
Die Intensität der Prädatorenbejagung variiert dabei erheblich zwischen den einzelnen Revieren. Im Durchschnitt werden etwa 2,5 Prädatoren pro km² und Jahr erlegt. In besonders engagierten Revieren kann dieser Wert jedoch bis zu 8 Prädatoren pro km² und Jahr erreichen.